Häufelpflug 

 

Die Geschichte des Häufelpfluges – Julian Turiel berichtet

 



Der Pflanzenbau auf Dämmen hat in meiner Heimat in Nord-West-Spanien eine mehr als 800-jährige Tradition. Deren Wurzeln gehen in die uralte persische Zeit zurück, in die Kultur, die als die Wiege des Christentums angesehen wird.



Ackerbau unter Bäumen, hier Getreide. Das Laub wird mit der nächsten Stoppel eingehäufelt und trägt so optimal zur Humusbildung bei. Vorher haben Schafe geweidet, Stroh, Stoppel, den eigenen Dung in die Furchen hinunter getreten.


 

Bis etwa 1970 gab es nur den einscharigen Häufelpflug, von Pferd, Muli oder Kuh gezogen. Im norddeutschen Raum war dieser Pflugtyp übrigens unter dem Namen „Mecklenburger Haken“ noch 1920 im Einsatz.

 



Der Häufelpflug, hier als Mecklenburger Haken (Aufnahme 1993 im Museumsdorf Hösseringen bei Uelzen)


 

Ab etwa 1970 wurde die Dammkultur in meiner Heimat von der industrialisierten Landwirtschaft weitgehend verdrängt. Das flache Ackern führte zum Zusammenbruch des früher so hohen Bodenlebens. Das war mir (schmerzlicher) Anlaß, die für das Dammsystem notwendige Technik auf den modernen Stand zu bringen. So entstand über einen Zeitraum von rund 25 Jahren der Häufelpflug für den Traktorzug.




Häufelpflug, Prototyp 1996 in Endeholz bei Celle, Lüneburger Heide


Nach der ersten umfangreicheren Erprobungsphase in Endeholz konzentrierte sich der Einsatz auf Betriebe mit sehr ernsten Bodenproblemen. Die Wurzelunkräuter standen im Vordergrund und der Häufelpflug erwies seine große Schlagkraft im Beseitigen dieser zwar natürlichen, aber viel zu langsamen Bodenverbesserer. Ich entwickelte die Drahtseilmethode zur Distelregulierung und fand die Vorgehensweise zum fast vollständigen mechanischen Beseitigen der Quecken. In dieser Zeit verhalf mir insbesondere die Zusammenarbeit mit Günther Graf Finkenstein in Brodowin sowie mit Dr. Gotthard Stielow in Endeholz zu wesentlichen Einsichten, wofür ich sehr dankbar bin.

 

Die ständigen Verbesserungen und Erweiterungen dieser Phase führten im Jahr 2002 zur Serienreife meines Häufelpfluges mit 90 cm Dammabstand und zur Praxisreife auf allen Bodenarten. Der Pflug für die Grundbodenbearbeitung war fertig, mit und ohne Steinsicherung.




Häufelpflug, Version 2002


 

Seitdem ergänzte und verfeinerte ich das Pflugsystem um die Technik zur Dammpflege und zur Aussaat. Insbesondere ermöglicht das heute einen sehr rationellen Gemüsebau, da wieder mit einem Schwerpunkt auf dem Feingemüse. Ein wichtiger Schritt war im Jahr 2003 die Einführung der „halben“ Dämme mit 45 cm Abstand beim Säen von

Getreide und ähnlichen Marktfrüchten. In dieser Phase halfen mir die Menschen von Bioland-Betrieben in Bayern durch Ihren engagierten und besonders fairen Einsatz.



Nun ist das Häufelpflug-System fertig. Ein wohlgeordneter Ackerbau ist möglich, der den Boden regelrecht „beflügelt“. Alles kann mit dem Häufelpflug gemacht werden, vom Pflügen bis zum Striegeln und zum Hacken! Neben dem Dammstriegel und der Kettenschleppe gibt es 5 weitere Werkzeug-Typen im Schnellwechsel-System, mit denen blind oder offen Beikraut bis zu 100% (also auch in den Reihen) beseitigt werden kann, ohne die Kulturpflanzen zu schädigen. Höchst rationell!




Häufelpflug, Version 2003 mit Lockerungszinken für den 45ger Damm



Die angepasste Drilltechnik:

Häufelpflug Version 2005, mit Scheibensechen zur Seitenführung und Spuranzeiger, spezieller Säschiene und pneumatischer Drillmaschine, auf 45 cm-Damm





Dammstriegel


Kettenschleppe

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